Maueröffnung

Nach Schließung der Grenze zur Tschechoslowakei Anfang Oktober 1989, durften ab 3. November DDR-Bürger ohne Formalitäten wieder über die Tschechoslowakei ausreisen. Daraufhin kam es zu einer erneuten Ausreisewelle. Wenige Tage später am 9. November 1989 öffnete sich für alle unerwartet nach über 28 Jahren der Unpassierbarkeit der Eiserne Vorhang. Noch im Januar 1989 hatte Honecker versichert, dass die Mauer noch in 50 und auch in 100 Jahren stehen werde.
Auf einer Pressekonferenz am 9. November, die live im DDR-Fernsehen übertragen wurde, erklärte Günter Schabowski, neuer ZK-Sekretär für Informationen, dass Privatreisen ins Ausland "ohne Vorliegen von Voraussetzungen (Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse) beantragt werden" können. Auf mehrmalige Nachfrage der Journalisten erklärte Schabowski, der die Details der Angelegenheit nicht kannte, dass die Regelung "Sofort, unverzüglich!" gelte. Beabsichtigt war keine totale, unkontrollierte Grenzöffnung, sondern eine Lockerung, indem die Ausreise durch Pass- und Visa-Anträge geregelt werden sollte. Eigentlich wollte die politische Führung durch großzügigere Ausreiseregelungen den Druck der Straße brechen und die Massenausreise über Ungarn und Tschechoslowakei in den Westen stoppen.
Nach Bekanntwerden der so ungewollten Verlautbarung, setzte in Berlin und auf dem Lande die ostdeutsche Bürgerbewegung zur Überwindung der Grenzen ein. Tausende Menschen drängten zu den Grenzanlagen, um sich vom Wahrheitsgehalt der Nachricht zu überzeugen. Die Grenztruppen waren von den Ereignissen vollkommen überrascht und unvorbereitet. Von der politischen Führung allein gelassen und aus Angst um das eigene Leben, wurde zuerst der Grenzübergang an der Bornholmer Brücke geöffnet. Es folgte die Öffnung anderer Grenzübergänge in Ostberlin und an der innerdeutschen Grenze. Überall wurden die Ostdeutschen auf der anderen Seite der Grenze herzlich empfangen. Der Mauerfall bzw. die Grenzöffnung war weder von der SED gewollt, noch mit der Sowjetunion abgestimmt, sondern Ausdruck des staatlichen Machtzerfalls, der zugleich das Ende der SED und der DDR besiegelte.

(Fran Uhlmann)