Rohstoffland Sachsen

Egal wohin man schaut, alles was uns umgibt, besteht aus Rohstoffen. Sei es die Zahnpasta mit ihrem Fluorid, der Handyakku mit Lithium, die Heizung aus Stahl oder das Auto aus Leichtmetallen. Um diesen enormen Bedarf zu stillen, braucht es ausreichend Lagerstätten, in denen die Rohstoffe abgebaut werden können. Deutschland gilt landläufig als rohstoffarmes Land. Dies war allerdings nicht immer so. Gerade in Sachsen haben der Abbau von Erzen und ihre Weiterverarbeitung eine lange Tradition.

Erzbergbau hat Tradition
Als Herz dieser Entwicklung ist die Universitätsstadt Freiberg zu nennen, die seit dem 12. Jahrhundert das Synonym für Silberbergbau in Sachsen ist. Bis in das 20. Jahrhundert wurde das begehrte Edelmetall im Erzgebirge abgebaut. Aber nicht nur in der Bergstadt sondern auch in weiten Teilen des Erzgebirges etablierte sich nach und nach der Bergbau. Zentren mit überregionaler Bedeutung sind hierbei Aue-Schwarzenberg und der Raum Altenberg. Für die Förderung im Erzgebirge spielten neben Silber auch Kupfer- und Zinnerze eine wichtige Rolle. Dies veränderte sich nach dem 2. Weltkrieg. Unter dem Druck der Sowjetunion wurde der Abbau von Uran durch den volkseigenen Betrieb WISMUT vorangetrieben. Zum einen wurde der Rohstoff für die Brennstäbe in Atomkraftwerken gebraucht, zum anderen für die neu entwickelte Atombombe.

Alte Schäden und neue Herausforderungen
Eng mit dem Abbau verbunden sind die Folgen des Bergbaus. Verunreinigte Grubenwässer, radioaktiv verseuchte Abraumhalden und einsturzgefährdete alte Schächte. Viele Aufgaben werden in Zukunft noch im Bezug auf die Bergbaufolgeschäden zu lösen sein. Wie man mit solchen Schäden umgehen kann, zeigen die ehemaligen Tagebaue im Raum Leipzig und der Oberlausitz. Die einst an Mondlandschaften erinnernden Löcher wurden mittlerweile zum großen Teil geflutet und bilden heute riesige Seenlandschaften, welche als Naherholungsgebiete genutzt werden. Gleichzeitig wird sowohl in der Lausitz als auch im Leipziger Land immer noch Braunkohle gefördert, da diese als Hauptenergiequelle im Transformationsprozess der Energiegewinnung Deutschlands eine wichtige Rolle einnimmt.

Steht ein neuer „Goldrausch“ bevor?
Durch den Aufstieg der Schwellenländer und den damit verbundenen starken Anstieg der Rohstoffpreise an den Weltmärkten, gibt es zur Zeit Überlegungen alte, zum Teil unerschlossene, Lagerstätten in Sachsen zu überprüfen. So geschehen im Jahr 2011 in Gottesberg (Vogtland) und Geyer (Erzgebirge). Dabei wurde herausgefunden, dass sich unter der Erde ein riesiges Zinnvorkommen befindet, welches ca. 160.000 Tonnen des Metalls beinhaltet. Außerdem sind Untersuchungen am Bachberg nahe Hammerunterwiesenthal zur Erkundung von Flussspat gemacht worden. In Altenberg (OT Zinnwald) wurden große Mengen Lithium gefunden, welches für die Herstellung von Batterien notwendig ist. Der spektakulärste Fund allerdings befindet sich nicht im Erzgebirge sondern in der Lausitz. Ein riesiges Kupfervorkommen schlummert unter der Ostsächsischen Landschaft. Die über 2 Mio. Tonnen Kupfer haben bereits ausländische Investoren angelockt, die die teuren Probebohrungen finanzieren. In Storkwitz bei Leipzig sind Ingenieure auf seltene Erden gestoßen, die besonders für die Mikroelektronik von großer Bedeutung sind.
Neben dem Abbau der Rohstoffe wird auch die Weiterverarbeitung ein wichtiges Thema werden. Um Fragen wie diese zu klären, wurde im Jahr 2010 in Freiberg das Deutsche EnergieRohstoff-Zentrum gegründet. Das Konstrukt aus akademischen und industriellen Partnern hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Export heimischer Rohstoffe zu vergrößern, gegenüber Importen unabhängig zu werden und die Möglichkeiten der Verarbeitung weiter zu optimieren. Mit einem Gesamtbudget von 15,5 Mio. Euro ist hierfür eine gute Ausgangsbasis geschaffen worden, um die Rohstoffzukunft des Landes gestalten zu können.
In Sachsen werden große Hoffnungen mit dem neuen Rohstoffboom verknüpft, sieht man darin doch die Möglichkeit, an die reiche bergbauliche Tradition der Vergangenheit anzuknüpfen, was besonders den strukturschwachen Regionen neuen Aufschwung verleihen könnte.

Felix Schimank